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Gedanken zum Friedhof

Nun ist es wieder Herbst geworden und wir gehen auf das Ende des Kirchenjahres zu. Dabei rücken unsere Friedhöfe besonders in den Fokus der Aufmerksamkeit, denn wir erinnern uns verstärkt an liebe Verstorbene. Zugleich spiegeln unsere Friedhöfe in Stück weit die Geschichte unserer Orte wider. Darum möchte ich an dieser Stelle einmal ein paar Gedanken zur geistlichen Bedeutung unserer Friedhöfe teilen. Denn schon in der Bibel spielen feste Begräbnisorte eine besondere Rolle. So auch bei dem großen Glaubensvater Abraham. Als seine geliebte Frau Sara stirbt, sucht er, der selbst als reicher Nomade lebt, einen geeigneten Platz für ein Begräbnis. Dabei stößt er offenbar auf einen schönen Ort, der einem Hetiter namens Efron gehört. Abraham handelt mit dem Besitzer einen entsprechenden Kaufpreis aus und erwirbt auf diese Weise diesen besondere Platz. So steht es in 1. Mose 23: „17 So ging Efrons Acker in Machpela gegenüber von Mamre in Abrahams Eigentum über, der Acker und die Höhle darin mit allen Bäumen auf dem Acker ringsum, 18 vor den Augen der Hetiter und aller, die beim Tor seiner Stadt versammelt waren. 19 Danach begrub Abraham Sara, seine Frau, in der Höhle des Ackers in Machpela östlich von Mamre, das ist Hebron, im Lande Kanaan. 20 So ging der Acker mit der Höhle darin als Erbbegräbnis von den Hetitern auf Abraham über.“

Drei Dinge sind an dem Text für unsere Friedhöfe als Ort des Erinnerns wichtig:


1. Erinnern braucht einen Ort


Eigentlich ist Abraham ja ein Nomade, der zwar gut situiert ist, aber doch in Zelten lebt. Keiner, dem man zutrauen würde, besonders an bestimmten Orten zu hängen. Dennoch ist es ihm offenbar sehr wichtig, für seine Frau einen angemessenen Platz als letzte Ruhestätte dauerhaft zu erwerben. Vielleicht hat er ein sehr klares Gespür dafür, dass Erinnerungen immer an einen konkreten Ort gebunden sind. Wenn er sich in Zukunft auf seinen Reisen durch das Land besonders an seine Frau erinnern möchte, wird er sicher wieder ihre Begräbnisstätte aufsuchen. Unsere Friedhöfe nehmen genau diesen Aspekt auf und geben dem Erinnern an Menschen einen öffentlichen Ort. Jeder kann sich dort an die erinnern, mit denen er Lebenszeit und Erinnerungen geteilt hat. Dabei ist es am Ende nicht vorrangig, ob die, die sich erinnern wollen, Familie, Freunde, Arbeitskollegen, Nachbarn oder andere Personen sind. Denn Erinnern ist in diesem Sinn keine Privatsache, die für einen bestimmten Kreis bestimmt ist. Jeder hat auf diese Weise die Möglichkeit, seine Erinnerung an einem konkreten Ort auszuleben. Darum ist es wichtig und gut, diesen Ort des gemeinsamen und öffentlichen Erinnerns zu nutzen und zu erhalten.


2. Erinnern braucht geistliche Kontinuität


Abraham erwirbt die Begräbnisstätte interessanterweise gleich mit einer klaren Widmung. Sie soll nicht nur seiner Frau gelten, sondern als Familienbegräbnisstätte genutzt werden. So geschieht es auch und so ruhen dort mindestens drei Generationen. Noch Abrahams Enkel Jakob, der in Ägypten stirbt, ist diese Familiengrabstätte so wichtig, dass er verfügt, dorthin überführt und begraben zu werden. Ich denke nicht, dass es ihm dabei darum ging, dass einfach nur die Familie wieder versammelt ist. Vielmehr hatte Abraham ein besonderes Versprechen Gottes erhalten, das sich konkret in seiner Familiengeschichte zeigen sollte. Und dass, obwohl sowohl seine Frau Sara als auch seine Schwiegertochter Rebekka eigentlich keine Kinder bekommen konnten. Die Begräbnisstätte ist eine sichtbare Erinnerung daran, dass Gott sein Versprechen Abraham und seiner Familie gegenüber gehalten hat. Diese Erinnerung wird auch auf unseren Friedhöfen sichtbar. Dort erinnern wir uns an Menschen, die uns im Glauben vorangegangen sind und mit denen Gott seine Geschichte geschrieben hat. Wir stehen in ihrem geistlichen Erbe und erinnern uns daran, dass Gott seine Versprechen auch uns gegenüber einhält. Unsere Friedhöfe sind damit Orte des Erinnerns an diese Geschichte Gottes mit Menschen, die er treu und kontinuierlich schreibt.


3. Erinnern braucht Schönheit


An dem Bibeltext ist weiterhin bemerkenswert, dass Abraham nicht irgendeinen beliebigen Ort für die Begräbnisstätte seiner Frau und Familie aussucht. Die Beschreibung des Feldes und der Höhle mit den umliegenden Bäumen lässt erahnen, dass es sich hier um einen wirklich schönen und bewusst gewählten Begräbnisplatz gehandelt haben muss, an den Abraham auch seiner Schönheit wegen gerne gekommen ist. Erinnern an geliebte verstorbene Personen sollte offenbar etwas von dieser anziehenden Ästhetik in sich tragen. Denn im Zentrum des Erinnerns steht nicht der graue Schmerz, sondern die Dankbarkeit und Liebe, die sich auch im Äußerlichen ausdrückt. Darum ist es lohnenswert, dass unsere Friedhöfe schöne Orte sind, an denen wir uns gerne aufhalten. Sie bleiben dabei aber nicht beim Erinnern allein stehen. Die Schönheit darf auch ein Fingerzeig auf die Ewigkeit sein, auf die wir bei Gott zugehen, weil Jesus den Tod für uns überwunden hat. So dürfen unsere Friedhöfe Orte des Erinnerns, aber auch der Verkündigung von Gottes neuer Welt für uns sein.


Pfarrer Ephraim Rüger

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