Geniessbarer werden

Monatsspruch:    

Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder.    

(Sprüche 16,24)

 

 

Zum Philosophen Sokrates kam eines Tages ein Bekannter und sagte: „Ich muss dir über einen Freund von dir eine irre Geschichte erzählen. Pass auf…“

 

„Halt!“, sagt Sokrates. „Hast du die Geschichte schon durch die drei Siebe gefiltert?“      

 

„Hä?“

 

„Also, das erste Sieb ist die Wahrheit. Ist die Geschichte wahr, die du mir erzählen willst?“

 

„Also na ja, was ist schon wahr! Ich habe sie von jemand gehört, der mit ihm bekannt ist…“

 

„Du weißt es also nicht. Nun gut, testen wir das zweite Sieb: die Güte. Kommt die Person in der Geschichte gut weg, die du mir erzählen willst?“

 

„Nein, ganz im Gegenteil, aber das ist ja gerade das Interessante…“

 

„Dann bleibt noch das dritte Sieb: die Notwendigkeit. Gibt es einen triftigen Grund, warum du mir das erzählen willst?“  

 

„Nein, aber lustig ist es schon…“

 

„Weiß du was“, sagte Sokrates, „wenn das, was du mir erzählen willst, weder wahr noch gut noch notwendig ist, dann spar es dir einfach. Dann musst du weder dich noch mich damit belasten.“

 

Mal unter uns gesagt:  Der nervt schon, der Sokrates, oder? Irgendwie genießen wir es doch alle, mal über jemanden herziehen zu können. Da steht man selber besser da, kann sich ein bisschen amüsieren über die Fehler anderer und steht dabei selber über den Dingen.

 

Allerdings bleibt meistens ein bitterer Nachgeschmack übrig. Vor allem, wenn man der Person begegnet, und in die Augen sieht, über die man gerade gesprochen hatte.

 

Ganz anders schmecken freundliche Worte.  Egal ob über jemanden oder zu jemandem. Lobend, helfend, verständnisvoll, ermutigend, tröstend, konstruktiv korrigierend – freundlich eben – wie ein Freund. Ein Freund ist jemand, der für mich ist. Er muss nicht alles mögen und gut finden, was ich tue. Aber er ist für mich, selbst bei kritischen Worten spüre ich seine Freundschaft.

 

Mit so jemandem bin ich gern zusammen. Seine Worte sind wie Honig: Süß für die eigene Seele. Ohne bitteren Beigeschmack. Und heilsam: Honig ist gesund.

So möchte ich auch gerne für andere sein. Genießbar durch freundliche Worte.

 

Doch wie komme ich dahin? Ich komme dabei immer wieder an meine Grenzen. Ein Vers aus dem Epheserbrief zeigt uns den Weg: Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus (Eph 4,32).

 

Der Schlüssel ist: „wie auch Gott euch…“ – Wir müssen es nicht aus uns heraus tun. Es gibt eine Quelle der Freundlichkeit, die außerhalb von uns liegt: in Jesus Christus. Er begegnet uns freundlich. Seine Vergebung, seine Liebe, seine freundlichen Worte tun der Seele gut, und davon können wir weitergeben. Seine Freundlichkeit ist die Grundlage, auf der wir anderen freundlich begegnen können.

 

So ist Freundlichkeit letztlich eine Frucht des Geistes (Gal 5,22): Wenn wir unsere Wurzeln bei Jesus verankern, können die freundlichen Worte wie von selbst an unserm Lebensbaum wachsen. Dann werden wir vielleicht nicht immer wohlüberlegt wie Sokrates reden – aber freundlich. Auf diesem Weg werden wir immer genießbarer für andere.

 

Einen - in diesem Sinne süßen und heilsamen Juni wünscht Ihnen       

 

Ihr Pfr. Martin Gröschel

 

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