Immer auf aufsteigendem Ast?

Und? Wie läuft bei dir?“ „Läuft. Bergab und rückwärts. Aber läuft.“ - „Das einzige Positive diese Woche war mein Testergebnis …“ – Ich mag diesen Humor. Denn er nimmt auf die Schippe, wie ich manchmal so ti>Mich fasziniert Johannes der Täufer. Er lebt das krasse Gegenteil einer solchen „feinen“ Fassade. Seine Leben am Rand der Wüste hält der gesitteten Gesellschaft den Spiegel vor. Sein zotteliges Auftreten in Kamelhaar-Kleidung lässt die Modebewussten und Wohlhabenden irgendwie lächerlich dastehen. Seine Worte haben Durchschlagskraft. Zustimmung, Beifall und Anerkennung folgen nicht zwingend daraus. Es werden Herzen bewegt – aber auch Menschen vergrault.

Sein Leben ist laut eigener Aussage eher auf dem absteigenden Ast. Und verrückterweise scheint das für ihn völlig O.K. zu sein. Er hat die innere Größe, andere groß sein zu lassen. Er lässt sich von denen, die auf den Putz hauen, nicht beeindrucken. Kampf um Anerkennung und Wertschätzung sind ihm fremd. Und weil das bei ihm so ist, erkennt er, wer wirklich Bedeutung hat. Er erkennt als erster, welche Bedeutung dieser Zimmermann aus Nazareth hat. Er erkennt, dass unser menschlicher Krampf uns immer besser, immer schöner, immer gesünder werden lässt. Er merkt: Dieser Jesus aus Nazareth ist hat die Antwort auf die wirklich wichtigen Fragen des Lebens. Mehr noch: Dieser Jesus ist in Person die Antwort auf diese Fragen. Denn dieser Mann trägt das Scheitern und die Gebrochenheit unseres Lebens trägt. Das meint dieser bekannte Satz von Johannes: „Seht dort – Jesus! Er ist das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt.“ (Joh. 1,29)

Wer nicht mit der eigenen feinen Fassade beschäftigt ist, kann auch schwach sein. Er kann sehen, was das Leben wirklich trägt. Er hat den Freiraum, das Leben zu hinterfragen und neu zu denken. Die Tage werden nach dem 24. Juni – dem Johannestag – wieder kürzer. So ist das Leben. Es wird eben nicht immer mehr, schöner, heller, besser. Vielleicht werden Sie einen lauen Sommer-Abend einmal für diese Fragestellung nutzen wollen: Fragen sie doch (neu) nach bei diesem Jesus! Fragen sie ihn: Trägst du auch mein Leben? Trägst du auch mein Scheitern? Trägst du auch mich?

 

 

Pf. Tobias Frauenlob

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